Mit KI erstellt

Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten des EU AI Act. Wer Inhalte per KI erzeugt, muss das kennzeichnen. Der Nutzer soll wissen, dass hier eine Maschine am Werk war.

Es gibt einen historischen Vorgänger für so ein Etikett. 1887 zwangen die Briten deutsche Produkte per Gesetz zur Aufschrift „Made in Germany“. Deutsche Ware galt als billige Kopie, das Etikett sollte stigmatisieren. Es kam allerdings anders. Die deutsche Industrie wurde besser, und aus dem Brandzeichen wurde ein Gütesiegel. Das Etikett hat sich gewandelt, weil sich die Qualität des Produktes änderte. Und ich glaube, der KI-Kennzeichnung steht Ähnliches bevor.

Aktuell ist das Misstrauen gegenüber KI-generierten Inhalten noch groß, vor allem wegen der Halluzinationen. Die Modelle warnen ja auch selbst noch: „Eine KI kann Fehler machen. Bitte überprüfe die Antworten.“ Doch die Qualität der KI wird nicht schlechter, sie wird immer besser. In einigen Bereichen ist sie jetzt schon besser als der menschliche Durchschnitt. Irgendwann dreht sich dann die Perspektive: Was ohne KI erstellt wurde, also ohne Etikett, wird klingen wie „ungeprüft“. Niemand wird einem Text ohne KI-Durchsicht, einem Code ohne KI-Review oder einer Analyse ohne Gegenrechnung vertrauen.

Und dann verliert das Etikett seinen Sinn. Denn gekennzeichnet wird immer nur das, was noch ungewohnt ist. Je besser und je häufiger etwas wird, desto normaler wird es. Als Fotos neu waren, stand „nach einer Photographie“ unter Zeitungsbildern. Auch retuschierte Bilder, gedruckte Bücher und maschinengenähte Kleidung trugen einmal Hinweise, die heute niemand mehr vermisst, weil das Markierte selbstverständlich wurde. Ein Etikett wie dieses erzählt weniger über das Produkt als über den Moment: Es markiert einen Übergang, solange er noch einer ist. Das Etikett wird nur so lange gebraucht, wie das Neue erklärungsbedürftig ist. Und verschwindet danach, weil es seinen Zweck erfüllt hat.

„Die Gedanken hier sind meine. Beim Formulieren der Texte hilft mir manchmal eine KI.“ So kennzeichne ich meine Inhalte. Aber ich vermute, dass auch dieser Satz eines Tages so überflüssig sein wird wie der Hinweis, dass dieser Text auf einem Computer geschrieben wurde.